Hast du schon den thematisch vorangegangenen Artikel gelesen? Falls nicht, kannst du gerne mal reinschauen. Der ist, wie ich finde, exzellent geworden ;))
Ich bin so glücklich über diesen Titel, denn er enthält direkt zwei Botschaften: Zum einen meine gehäuften Überlegungen, warum Menschen so dämliche Fragen stellen, und zum anderen genau diesen Wortlaut, der sich vermehrt in meinen Chats mit Freunden finden lässt, wobei ich natürlich nur selten der Part bin, der das fragt.
Wieso in Gottes Namen muss man nach jeder direkten, leicht zu beantwortenden Frage noch den Grund der Frage wissen? Interessieren sich die Menschen tatsächlich für den Hintergrund oder ist es ein Reflex? Ist dieser Reflex vielleicht durch eine Neugier ausgelöst, die befriedigt werden will, weil unterbewusst eine Sorge besteht, etwas zu verpassen oder schlichtweg nicht zu wissen?
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass dabei wirklich immer ernst gemeintes Interesse besteht, denn mal ganz ehrlich: Wen juckt’s?
Wenn ich frage “Bist du zuhause?”, dann erwarte ich ein einfaches “ja” oder “nein”. Kann auch passieren, dass mein Gegenüber bei einer Verneinung, direkt noch den Grund dahinter schiebt. Dagegen habe ich auch absolut nichts einzuwenden. Ich denke, das kommt immer ganz darauf an, in welcher Beziehung man zueinander steht und wie stark das Mitteilungs- oder Rechtfertigungsbedürfnis ist.
Jetzt stellen wir uns aber mal vor, dass eben dieser Grund nicht automatisch anschließt, dann kommen wir schon zur ersten Skurrilität. Mir würde doch im Traum nicht einfallen, daraufhin zu fragen “Warum (bist du nicht zuhause)?”, denn das interessiert mich in diesem Augenblick ja vermutlich überhaupt nicht.
Nehmen wir an, dass ich gefragt habe, weil ich irgendetwas abholen oder ausleihen möchte, dann ist mein Anliegen mit dem “nein” hinfällig und die Konversation an der Stelle beendet. Es sei denn, ich stelle aus echtem Interesse weitere Fragen und es läuft auf ein Gespräch hinaus, aber ich frage doch nicht einfach stumpf: “Wieso?”
Wieso also erreicht mich diese Nachricht so oft? Aus welchem Grund wird dann oft die Frage “Warum fragst du?” hinterhergeworfen? Schon schlimm genug, dass sich die vollständige Frage auf das einzelne Wort “Wieso” verringert hat, aber jetzt habe ich gesehen, dass vereinzelt nicht einmal mehr das Fragezeichen für wichtig erachtet wird.
An dieser Stelle steige ich komplett aus.. Aber zu meinem Missfallen gibt es noch weitere Floskeln, die uns viel zu leicht über die Lippen gehen oder durch die Finger gleiten. Dazu gehören beispielsweise “Alles gut?” oder auch “Ist etwas passiert?”.
Wann passiert mal nichts? Es passiert doch die ganze Zeit irgendetwas. Die Frage ist doch: Was davon willst du wissen? Mit Sicherheit hat für mich nicht alles den gleichen Stellenwert wie für dich. Also, wieso stellen wir nicht einfach eine konkrete Frage, die eine konkrete Antwort verlangt? Oft entsteht stattdessen ein kleines Hin und Her aus knappen Nachrichten, die alle völlig ohne Belang sind.
Nur um das einmal klarzustellen: Ich schließe mich da nicht aus. Ich tue das auch, aber wir wissen ja alle, wie einfach es ist, Störfaktoren im Außen zu finden. Das Schöne dabei ist ja, dass das da draußen alles nur eine Spiegelung unserer selbst ist und wir im Außen nichts erleben könnten, was wir nicht auch in uns tragen. Zu dem Thema schreibe ich gerne auch mal ein paar mehr Zeilen, die natürlich hier verlinkt werden, wenn ich so weit bin 😉
Ja, was ist jetzt mein Fazit? Wenn ich so an den Spiegel denke, würde ich behaupten, ich dürfte erst einmal bei mir selbst aufräumen, bevor ich andere Menschen zu kritisieren wage. Die übergeordnete Thematik ist hierbei vermutlich das falsche Interesse, die chronische Neugier und die Angst, etwas zu verpassen. Ich glaube, erst wenn ich bereit bin, meinen Anteil daran zu erkennen, kann ich meinen Frust überwinden und mich von einer Be-Wertung lösen.
