Wir kennen doch alle dieses Phänomen: Ich will immer genau das, was ich gerade nicht habe oder haben kann.
Vielleicht ist es auch gar nicht so geläufig, aber mir jedenfalls ist es sehr vertraut. Erst gestern lag ich im Halbschlaf, halb grübelnd, halb träumend, in meinem Bett und wünschte mir den Sommer herbei. Ich nahm mir vor, dieses Jahr aber wirklich jeden Tag an den See zu fahren und mich auf meiner Luftmatratze in der Sonne treiben zu lassen.
Jeden Winter nehme ich mir vor, wieder mehr Motorrad zu fahren, sobald die Temperaturen steigen. Jedes Jahr will ich öfter schwimmen, grillen und feiern gehen. Aber ich tue es nie, weil dann, wenn es so weit ist, immerzu andere Dinge wichtiger oder schöner sind. Aber sobald die Temperaturen wieder sinken und ich diese ganzen tollen Sachen nicht mehr machen kann, wünschte ich, ich hätte sie getan. Im Winter will ich den Sommer, und im Sommer wünsch’ ich mir den Schnee – so in etwa ;))
Als ich gestern so darüber nachdachte, verfing ich mich in der Vorstellung, auf dem See zu liegen. Die Sonne brutzelt auf mich herab, ich spüre die Kühle des Wassers durch die Luftmatratze unter mir und meine Augen werden von einer riesigen Sonnenbrille vor dem Sonnenlicht geschützt. Ich höre vereinzelte Menschen sprechen, lachen und vielleicht auch Musik hören. Für eine leichte Abkühlung tunke ich meine Füße in das Wasser, aber sonst liege ich einfach nur da und genieße die wärmenden Sonnenstrahlen und das Plätschern des Wassers.
Ich liebe das, wirklich, es gibt nichts Besseres! Ich genieße es so sehr, dass ich mich wirklich nur wundern kann, warum ich das nicht öfter mache..
Gestern überlegte ich, was solch eine Wirkung auf mich haben könnte, wenn es Winter ist. Was sind die Dinge, die ich nur im Winter genießen kann? Schlittschuhfahren? Nein, das kann und mag ich nicht. Ich habe immerzu diese grauenhafte und erschreckende Vorstellung, dass ich hinfalle und mir irgendjemand über die Finger fährt. Ich will dir ja keine Gruselgeschichten erzählen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Finger dann ab sind.
Vielleicht sind es die Schneefälle, die ich im Winter liebe, so wie ich den Regen im Herbst genieße. Ich liebe alles am Regen, den Geruch, die Nässe, das Grau! Das Besondere im Herbst, sind dazu die bunten Farben der gefallenen Blätter und das Prasseln der Regentropfen auf dem Lauf.
Na jedenfalls ist mir dieser Winter einfach zu kalt, aber ich weiß auch, dass mir der Sommer vermutlich wieder zu heiß sein wird. Ich will nun mal genau das, was ich gerade nicht habe. Ich bin nicht sicher, ob sich das mit dem Gegenbeispielsortierer aus den Metaprogrammen des NLP erklären lässt oder ob das nichts miteinander zu tun hat, aber die Neigung, in Aussagen Gegenargumente zu finden statt Gemeinsamkeiten, ist mir doch sehr geläufig.
Aber was mache ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Ist es meine Bestimmung, für den Rest meines Lebens unerfüllbaren Wünschen nachzutrauern? Ist das nicht ein Kampf, der in Verbitterung enden wird?
Ich dachte kurz, es wäre eine gute Idee, zu googeln, aber nein. Es ist keine gute Idee, lassen wir das besser wieder. Ich werde eigene Antworten auf meine Fragen finden, und wenn es soweit ist, werde ich es dich wissen lassen – also: Fortsetzung folgt!
