Kennst du das: „Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“? Ich glaube, das hat jeder schon mal gehört. Das ist doch eigentlich eine schöne Lebensphilosophie. Lebe halt im Jetzt, lebe jetzt und hier, in genau diesem Augenblick. Was ist es, was du dir in diesem Augenblick wünschst, was macht dich gerade so richtig glücklich? Oder was würde dich so richtig glücklich machen und warum tust du es nicht einfach? Tu es. Das wäre doch die Umsetzung der Philosophie, oder nicht?
Mal ganz im Ernst: Unfälle passieren, und selbstverständlich wollen wir uns hier kein dramatisches Schicksal manifestieren. Aber bist du dir auch der Tragik bewusst, was wir verpassen, wenn wir die Gegenwart überhaupt nicht mehr wahrnehmen, weil wir stetig die Vergangenheit analysieren und uns um die Zukunft sorgen? Denn dann verpassen wir doch genau das, was uns in diesem Augenblick wirklich glücklich macht.
Ich kann das jetzt so einfach schreiben, obwohl ich weiß, dass ich meinen eigenen Worten nicht folge. Hoffentlich habe ich niemals gesagt, dass es einfach wäre, denn dann hätte ich keine Ausrede mehr, warum ich selbst mehr in meinem Kopf lebe als hier draußen in der realen Welt und Gegenwart.
Grundsätzlich sorge ich schon dafür, in jedem Moment so glücklich wie möglich sein zu können. Ich höre auf meine Bedürfnisse und vermeide Umstände, die mich unzufrieden stimmen. Das bedeutete nicht, dass ich einfach alles auslasse, was mir nicht gefällt. Ich muss auch meinen Abwasch erledigen, die Wohnung putzen, den blöden Müll herunterbringen und die 4 Stockwerke wieder nach oben rennen. Aber ich kann auch glücklich sein, während ich etwas tue, das mir gerade nicht so gut gefällt. Ich bestimme ja schließlich selbst, wie ich mich fühle.
Aber darum soll es gerade nicht gehen. Ich meinte viel mehr die großen Pläne und tollen Sachen, die man immer so gerne ausarbeitet und dann nie tut. Aber wieso tun wir es nicht einfach? Der Klassiker ist das Thema Geld. Wir sparen und sparen und knausern und geizen. Ja, und wofür? Worauf genau warten wir jetzt? Ich bin da nicht anders. Auch ich schleudere meine Kohle jetzt nicht einfach zum Fenster raus, auch wenn es so klingen mag als würde ich dazu aufrufen wollen.
Ich bin immer auf die nächsten Tage und Wochen, vielleicht sogar Monate vorbereitet. Die Sicherheit ist mir an dieser Stelle einfach ein größeres Bedürfnis als die Freiheit. Aber wenn wir jetzt zu unserer dramatischen Wendung zurückkehren: Was bringt mir die ganze Kohle, wenn ich morgen vom Bus überrollt werde und ich meine Träume nie gelebt habe?
Um nicht allzu dramatisch zu sein, sprechen wir wenigstens über die Rente. Wir rackern uns hier jeden verdammten Tag den Arsch ab, um am Ende über eine möglichst vernünftige Altersvorsorge zu verfügen. Selbstverständlich verstehe ich die Idee und die Bedürfnisse dahinter, vor allem, wenn da noch Kinder im Boot sitzen. Aber jetzt stelle dir doch einfach mal vor, dass du dir die Radieschen schon von unten anguckst, noch bevor du dein so hart erarbeitetes Rentnerleben genießen konntest. Was hat dir der ganze Scheiß dann gebracht?
Als ich vor ein paar Tagen in meinem Tagebuch herumblätterte, fand ich einen Eintrag, in dem ich irgendeine dramatische Erkenntnis teilte, die mich dazu animierte, folgenden Aufruf ans Universum zu formulieren: “ICH WERDS JETZT EINFACH MACHEN! Diese ganzen Dinge, von denen ich schon immer träume. Ich werde umziehen, ich werde reich sein und ein geiles Auto kaufen!”
Das war vor ein paar Monaten und tatsächlich habe ich nichts von alledem umgesetzt, weil ich immer wieder vom alltäglichen Trott verschlungen wurde. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Der springende Punkt ist nämlich diese Energie, die dort kurzfristig freigeschaltet wurde. Für einen kurzen Augenblick waren alle Begrenzungen wie weggeblasen und mir schien alles möglich und machbar. Und das ist es doch, was das Leben so geil macht! Wir können in jedem Moment selbst entscheiden, was wir tun wollen, was wir uns wünschen, was wir brauchen, und dann danach handeln.
