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So, meine lieben Freunde des Universums, ich werde hier ganz eindeutig und auf eine fiese Art und Weise auf die Probe gestellt. Ich muss wirklich eine eindringliche Bitte ausgesandt haben, dass ich so etwas Unangenehmes und enorm Peinliches durchmachen muss.
Wer hätte es gedacht, aber es ist tatsächlich wieder in meinem wundervollen Gym passiert. Also entweder liegt es daran, dass ich dort unverhältnismäßig viel Zeit verbringe, oder daran, dass ich einfach nirgendwo anders unter Menschen aufzufinden bin. Na jedenfalls hab’ ich da einen Typen gesehen. Im Nachhinein frage ich mich wirklich, was ich mir ausgerechnet bei dem wieder gedacht habe, aber ich rechtfertige es immer noch mit seiner freundlichen Ausstrahlung.
Als wir uns auf der Treppe zufällig entgegenkamen, hatten wir eine furchtbare Millisekunde Augenkontakt und ich schaffte es sogar, schlicht zu lächeln. Es war wirklich kein besonders Lächeln, aber immerhin. Als ich diese heikle Situation hinter mich gebracht hatte, rannte ich geradewegs an ihm vorbei, die Treppen hinunter. Ich hoffe wirklich, dass er nicht zu mir gesprochen hat, denn kein Rufen der Welt hätte die auf mein Trommelfell einhämmernde Musik meiner Kopfhörer übertönen können.
Da mir das Universum, wie gewohnt, noch mehr herrliche Möglichkeiten vor die Füße legte, bekam ich noch eine weitere Chance. Als ich gerade in mein Auto stieg, lief der Typ geradewegs auf mich zu, und ich meine, ihn im Augenwinkel grinsen gesehen zu haben. In mir stieg Panik auf und ich fuhr fluchtartig los. Trotzdem war ich neugierig und schaute mich suchend um. Er lehnte sich an sein Auto und trank noch einen Schluck, aber statt dass ich einfach anhielt, fuhr ich wie von Sinnen, einfach an ihm vorbei und vom Parkplatz auf die Straße. Sofort bereute ich es, aber ich hatte ein Auto hinter mir, daher fuhr ich einmal um den Block in der Hoffnung, schnell genug zu sein. Dann hätte ich neben ihm geparkt, wäre ausgestiegen und hätte.. ja vermutlich hätte ich mich total blamiert.
Aber das werden wir nie herausfinden, denn er saß schon in seinem Auto und fuhr gerade vom Parkplatz. Also fuhr ich ihm hinterher. An der nächsten Ampel sammelte ich allen Mut zusammen und stellte mich neben ihn auf die Linksabbiegerspur. Ich wollte gerade mein Fenster herunterfahren, als ich kurz rüberschaute und sah, dass er mich überhaupt nicht wahrnahm. Jetzt schaute ich stur nach vorn, rutschte auf meinem Sitz immer weiter nach unten und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Ich hatte solche Angst, dass er mich doch noch sehen würde. Die Sekunden zogen sich in die Länge, und als die Ampel endlich auf Grün schaltete, wäre ich kopflos vor Scham fast in den nächsten Blitzer gerast.
Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich nicht bloß schüchtern bin, sondern schlicht feige. Vielleicht ist es sogar noch etwas ganz anderes, denn ich kann einfach nicht verstehen, wovor ich solch eine Angst habe.
Passend dazu fragte mich meine Mom mal, warum ich davon ausgehe, dass ich immer den ersten Schritt machen müsste. Sie meinte: “Ist es nicht so, dass du nur lächeln und warten müsstest, bis er auf dich zukommt?” Klingt einfach, oder? Aber um ganz ehrlich zu sein, lasse ich diesem Szenario überhaupt keinen Spielraum. Ich bin verschlossen, mehr noch, abgeriegelt und zugeschweißt. Ich will einfach meine Ruhe und, wenn überhaupt, gelegentlich ein wenig Aufregung durch einen eingebildeten und in den meisten Fällen für mich sehr peinlichen Flirt im Gym.
Aber stimmt das wirklich?
