Wenn du schon ein paar meiner Blogartikel gelesen hast, dann wirst du es längst ahnen, aber falls nicht, hier die Top-Secret-Information: Ich bin nicht gerade ein Vorbild im Verlassen der Komfortzone. Ich bleibe doch gerne in meinem geschützten und bekannten Rahmen. Das Bekannte ist doch einfach so viel angenehmer und vorhersehbarer.
Aber wenn man immer nur auf das Vertraute setzt, wie soll dann bloß Neues in unser Leben treten? Wenn wir immer nur in unseren Begrenzungen bleiben, sagen wir kontinuierlich “Nein” zum Universum oder eigentlich noch eher “Ja, alles soll so bleiben, wie es ist”. Aber das verfehlt doch jegliches Ziel, denn wir alle haben doch Wünsche und Träume, Dinge, die wir noch erleben und erfahren wollen.
Ich glaube, sobald wir hinausgehen und unsere gewohnten Grenzen verlassen, erweitert sich unser Horizont ganz automatisch und wir sehen und empfangen Dinge und Erfahrungen, die wir uns überhaupt nicht hätten vorstellen können, weil sie so fern jeglichem bisherigen Erleben sind. Wir hätten nicht einmal den Wunsch formulieren können, weil es in unserer Beschränkung überhaupt keine Idee von dieser neuen Erfahrung gab.
Erst in der letzten Woche hatte ich genau so ein Erlebnis, was für mich gänzlich neu war. Ich besuchte ein Fußballspiel von der kleinen Schwester einer Freundin von mir. Sie hatte mich schon vor Wochen dazu eingeladen, weil es ein Auswärtsspiel in meiner Heimatstadt war. Ich kam leider erst später, ziemlich genau zur zweiten Halbzeit, aber es reichte vollkommen aus für diese wundervoll neue Erfahrung.
Ich kam auf den Platz und alles, was ich sah und hörte, löste in mir einen Überschwang an Begeisterung aus. Als ich selbst jung war, mied ich den Kontakt zum Teamsport weitestgehend. Vor allem zum Fußball hatte ich wirklich keinen guten Draht, da mir bei jedem Annäherungsversuch der Ball mitten ins Gesicht geschossen wurde und ich mit Nasenbluten vom Feld lief.
Zum ersten Mal war ich begeistert von diesem Sport. Ihr Dad verfolgte fiebernd den Spielverlauf und rief immer wieder irgendwelche Instruktionen im Fachjargon. Ich verstand zwar kein Wort, aber immerhin hatte ich herausgefunden, welches Tor zu welcher Mannschaft gehörte ;)) Es hat mir so viel Spaß bereitet, ihr dabei zuzuschauen. Ich konnte den Ehrgeiz und die Teamdynamik bis hinter die Besucherabsperrung spüren.
Nach dem Abpfiff liefen wir hinüber zu den Mädels. Eine von ihnen hatte Geburtstag und mir wurde direkt ein Muffin in die Hand gedrückt. Ich wurde irgendwie ganz selbstverständlich als Teil der Truppe angesehen und sehr freundlich von den Trainern begrüßt. Alle waren so offen und nunja, sie hatten auch haushoch gewonnen. Die Laune war hervorragend, aber trotzdem war es beeindruckend zu sehen, wie sie sich alle unterstützen und zueinanderhalten.
Nach und nach kamen die Spielerinnen aus den Umkleiden zu den Bussen, die sie wieder in die Heimat brachten. Sie hörten laute Musik und alle waren gut gelaunt, scherzten mit den Trainern und freuten sich. Ich konnte mir vorstellen, wie lustig die Autofahrt werden würde: Die Party würde dann erst so richtig beginnen, sie würden einen Zwischenstopp bei Mces machen und das Spiel analysieren.
Keine Worte der Welt könnten beschreiben, wie ich mich fühlte, aber “ekstatisch” beschreibt es vielleicht am ehesten, und ich habe nicht einmal mitgespielt oder -gefeiert. Das bloße Zuschauen reichte vollkommen aus. Ich dachte an meine eigene Kindheit und fragte mich, ob durch das Fehlen dieser Teamstrukturen meine Entwicklung gewisser sozialer Fähigkeiten hätte gehemmt worden sein. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr breitete sich in mir der Wunsch aus, andere Menschen bei diesen Dingen zu unterstützen und mit allen Mitteln diese Erfahrungen zu ermöglichen.
Vielleicht ist das auch schon ein Teil dessen, was Neale Donald Walsch in dem dritten Teil von „Gespräche mit Gott“ berichtet: Um das zu erreichen, was wir wünschen, mögen wir vorerst anderen verhelfen, dies zu erreichen. Wenn ich es mir recht überlege, werde ich darauf separat noch tiefer eingehen. Ich lasse es dich wie gewohnt wissen, wenn es soweit ist.
Um aber noch einmal zurück zur Komfortzone zu kommen: Ich glaube, erst wenn wir den Sprung über unseren Schatten wagen und das Neue wirklich zulassen – auch wenn es beängstigend und ungewohnt ist –, dann kann sich unser Horizont weiten und wir erfahren, was wir nie zu träumen fähig gewesen wären.
Und genau das ist das Erstaunliche, und auf gewisse Weise auch Deprimierende, denn da ist so viel, was unsere ekstatischen Grenzen sprengen könnte, so viel, dass wir in unendliche Weiten lieben würden, und wir wissen es nicht einmal.
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