02/04/2026

Mein Aufbruch zur Erlösung

Ich frage mich manchmal, ob es anderen auch so geht wie mir. Es fällt mir unglaublich schwer, meinen sicheren Raum zu verlassen, und das kann man hier tatsächlich wortwörtlich nehmen, denn dabei handelt es sich unter anderem um meine Wohnung, aber auch allgemein um meinen Wohnort und meine mir bekannte Umgebung.

Ja, sogar jetzt gerade, sitze ich in meinem Auto, statt irgendwo da draußen zu sein, mit der Natur oder Menschen in Kontakt zu gehen, etwas zu erleben und neue Modelle von Welt zu erfahren. Das Gemeine ist ja, dass mir bewusst ist, dass ich mein Selbst nur erfahren kann, wenn ich vom Außen gespiegelt werde. Ich weiß, dass ich niemals Neues erfahren werde, solange ich meinen beschränkten Rahmen nicht verlasse. Wie sollte ich auch?

Weil ich das Thema so spannend finde und es mich noch viele Tage beschäftigen wird, entsteht dazu ein gesonderter Artikel. Hier verlinkt, sobald er fertig ist!

Machen wir einen kleinen Schritt zurück: Und zwar bin ich gestern tatsächlich aufgebrochen, man könnte schon fast sagen, ausgebrochen aus meinem immerwährenden Zyklus, und einfach losgefahren. Nachdem ich mehrere Ideen verworfen hatte und schon dachte, ich komme gar nicht mehr weg, traf ich eine Entscheidung. Ich erinnere mich gar nicht mehr genau, wie das alles vonstatten ging, aber ich weiß, dass ich mehrere Hürden überwinden musste. 

Die Zielsuche war die erste. Ich bilde mir ein, eine nicht sehr ausgeprägte Intuition zu haben, und deswegen fällt es mir schwer, einfach „nach Gefühl“ zu handeln. Ich wäge gerne ab, überlege pro und kontra und was in welcher Situation die gescheitere Entscheidung wäre. Ich treffe ohnehin nicht so gerne Entscheidungen, eben weil genau das so anstrengend ist. Wenn ich ein Gefühl in meinem Bauch verspüren würde, welches mir sagen würde, was ich tun solle, wäre mein Leben deutlich einfacher ;)) 

Das Packen ist normalerweise meine zweite Hürde, aber die habe ich dieses Mal gekonnt umgangen. Ich hatte seltsamerweise schon eine konkrete Vorstellung in meinem Kopf, was ich benötigen würde. Als ich dann auch noch zufällig in der Garage war und dort den perfekten Wanderrucksack fand, war ich mir sicher: Alles würde perfekt.

Und ich bin mir immer noch sicher, dass alles perfekt laufen wird und gelaufen ist. Auch wenn ich mich gerne wieder an eine seelische Intuition erinnern darf, läuft doch alles genauso, wie es laufen soll, oder? Wenn ich zuerst in die falsche Richtung laufe, dann hat auf diesem Umweg etwas gelegen, das ich noch einsammeln sollte.

Kommen wir zu meiner dritten Hürde: dem Verlassen meiner Wohnung. Und damit meine ich nicht, wie eingangs erwähnt, meine Komfortzone, sondern vielmehr in welchem Zustand ich meine Wohnung hinterlasse. Ich habe in meiner Kindheit gelernt, alles aufzuräumen, bevor wir das Haus verlassen, damit es schön ist, wenn wir wiederkommen. Das bedeutete, auch wenn wir nur einkaufen gingen, dass mein Zimmer aufgeräumt, der Flur ordentlich und der Müll am besten noch auf dem Weg nach draußen entsorgt werden musste.

Das ergibt vollkommen Sinn, vor allem, wenn man plant, länger wegzubleiben. Aber es bremst mich auch aus, wenn ich im Begriff bin, mich aufzuraffen, und dann noch 20 Handgriffe mache, die nichts mit dem Packen meiner Sachen oder der anstehenden Reise zu tun haben. Und ich finde immer  irgendetwas, das ich noch aufräumen oder erledigen kann. So besteht jedes Mal die Gefahr einer perfekten Ausrede, warum ich doch nicht wegfahren konnte.

Meine vierte Hürde, war einfach dödelig. Ich bin 2 mal in die falsche Richtung gefahren. Beim ersten Mal dachte ich nur, ich wäre falschgefahren, und bin umgedreht und dann in die tatsächlich falsche Richtung gefahren. Wie irrsinnig, aber ich weigerte mich, mit Google Maps zu fahren. Ich wollte das alleine schaffen.

Meine fünfte Schwierigkeit ist es nämlich, den Moment zu genießen. Ich vergesse immer schnell, dass der Weg das ist, wofür ich hier bin, und nicht das Ziel. Im größeren Rahmen gesehen, bin ich schließlich nicht hier, um zu sterben, sondern um zu leben, und zwar jeden Tag mit voller Intensität. So war die Autofahrt mit meinem vorher bestimmten Ziel nur etwas, das ich tun musste, damit ich dann das tun konnte, was ich geplant hatte. Genau wie jeder Weg, den ich gelaufen bin, lediglich hinter mich gebracht werden musste, nur um daraufhin oben stehen zu können und nicht zu wissen, was ich dort tun sollte. 

Ich habe es ja oben schon mit meinem „Wanderrucksack“ verraten. Ich bin tatsächlich in den Harz gefahren, um zu wandern. Wie auch immer ich auf diese Idee gekommen bin, denn ich bin eigentlich kein Fan vom Gehen und schon gar nicht bergauf. Aber ich hatte es mir in den Kopf gesetzt und dann wurde es durchgezogen. Außerdem erhoffte ich mir eine spirituelle Erfahrung oder eher so etwas wie eine Erlösung.

Ja, ich glaube, letzten Endes bin ich nur deswegen tatsächlich aufgebrochen. Ich werde kommende Woche, seit vielen Monaten in Freiheit, wieder in das Hamsterrad der „Normalität“ einsteigen. Ein Teil in mir sträubt sich sehr dagegen und ich verstehe ihn gut. Also machte sich in mir die Hoffnung breit, dass, wenn ich es schaffen würde, meinen gewohnten Raum zu verlassen, etwas zu empfangen, das mich davor bewahren würde, erneut in diesen Ring zu steigen.

Fortsetzung folgt ;))

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