Ich war am Wochenende in Hamburg, genau genommen schon seit Donnerstagabend. Als ich ankam, durfte ich erst mal auf Parkplatzsuche gehen, aber das bin ich dort schon gewohnt. Mein bester Freund hat mir dann geholfen, meine Sachen hochzutragen, und wir haben uns mit seinem Mitbewohner einen entspannten TV-Abend gemacht.
Als ich zwischendurch ins Bad stapfte, bemerkte ich 2 neue und plötzlich lebhaft sprießende Pickel unter meinem Mund. Wo auch immer diese auf einmal herkamen. Ich hatte weder irgendetwas Außergewöhnliches oder Süßes gegessen, noch war ich in öffentlichem Raum unterwegs und habe mir dann mit den dreckigen Pfoten ins Gesicht gepatscht. Als sich am nächsten Morgen noch ein entzündeter Ohrring pochend bemerkbar machte, wurde ich skeptisch, aber ich hatte keine Erklärung, also nahm ich es resigniert hin.
Der Morgen und der Mittag waren super entspannt. Ich war fix einkaufen und habe dann mit meinem besten Freund gemütlich gefrühstückt. Danach waren wir beide für ein paar Stunden produktiv und dann kamen 2 Freunde vorbei, um mit uns im Schnee zu toben. Dieses Zusammentreffen war mehr als nur anstrengend für mich. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, warum. Vielleicht lag es daran, dass ich die richtige Maskierung nicht finden konnte oder sogar überhaupt nicht maskiert war, keine Ahnung.
Als ich nach längerem Schweigen gefragt wurde: “Und Elli, wie ist es bei dir so?”, musste ich erst mal eine Weile überlegen, wie ich diese Frage am besten beantworte. Ich druckste dann so etwas wie: “Och.. ich mache viel Sport. Ich ernähre mich gesund. Ich lese…” Und dann formulierte ich schnell eine Gegenfrage und lauschte besonders interessiert und aufmerksam der Antwort, um jeder nächsten mich betreffenden Frage schon mal jeglichen Raum zu nehmen.
Die nächsten Stunden überlegte ich innerlich weiter, was ich hätte antworten können oder was man hätte antworten sollen. Es ließ mir keine Ruhe, aber ich kam zu keinem Ergebnis.
Als unsere Freunde wieder abgedüst waren, fuhr ich, diszipliniert, wie ich bin, noch ins Gym. Ich hatte schon den ganzen Tag einen leichten Anflug von Kopfschmerz, aber nicht so schlimm, dass ich mit einer Migräne gerechnet hätte. Als ich dann aber im Studio war, brach sie über mich herein. Wie konnte das sein? Was machte ich falsch? Für mich bedeutet eine Migräne oft eine Warnung. Allerdings erkannte ich keine Gefahren, keine Überforderungen oder andere Signale.
Am darauffolgenden Morgen war mein Ohrloch um das Doppelte angeschwollen und es hatte sich sogar eine kleine Eiterblase gebildet. Es tat höllisch weh. Als wäre das nicht genug, entdeckte ich auch noch einen dritten Pickel zu meinem Duo. Ich war wochenlang so stolz auf meine Haut und erfreute mich bei jedem Blick in den Spiegel an ihrer Reinheit. Ja, und jetzt auf einmal, war ich hauttechnisch wieder in der Pubertät.
Dieser Morgen war leider nicht so entspannt wie der vorherige, weil wir noch verabredet waren. Nach dem Frühstück fuhren wir los zu einem kleinen Treffen unter Freunden. Wir hatten einen gemütlichen Nachmittag und Abend beisammen geplant, mit Mittagessen kochen, ein wenig basteln, vielleicht ein paar Spiele spielen und jede Menge quatschen. Ich war mir, offen gesagt, noch nicht ganz sicher, wie und ob ich das überstehen würde, nach meinen Schwierigkeiten in der Konversation am Vortag, aber ich überlebte es.
Zum Ende hin, wurde ich sogar recht entspannt. Als wir immer weniger Menschen wurden, taute ich langsam auf und klinkte mich sogar in Gespräche ein. Vorher sprach ich meist nur, wenn ich etwas gefragt wurde oder ich einen Scherz machen konnte. Ich hätte gerne ein paar Spiele gespielt, aber ich glaube, die Allgemeinheit hat sich lieber unterhalten. Irgendwer packte dann ein Kartenspiel aus, welches Fragen enthielt, die wir dann alle beantworten sollten. Die Fragen waren wirklich komplex. Vom Schweregrad würde ich sagen, ähnlich wie: “Und Elli, wie ist es bei dir so?” Ich fand die Antworten der anderen größtenteils nicht sehr interessant, hatte aber auch keinerlei Bedürfnis, meinen eigene Senf dazu zu geben, also beantwortete ich mir die Fragen im Geiste. Irgendwann kramte ich mein Tagebuch heraus und machte mich einfach an meinen täglichen Eintrag.
Rückblickend würde ich sagen, ich habe mich tatsächlich gut geschlagen. Ich saß nicht still und alleine in der Ecke, bin aber auch nirgends angeeckt und habe auch nicht meine eigenen Grenzen überschritten.
Am Sonntag beschloss ich, rechtzeitig wieder nach Hause zu fahren. Ich wollte einfach nur zurück in meine gewohnte Umgebung, in mein Gym gehen, mein Essen essen, in meinem Bett schlafen. Als ich in meinem Heimatort angekommen war, bin ich direkt ins Gym gefahren. Ich habe mich vollkommen ausgepowert und den ganzen Druck vom Wochenende abtrainiert.
Es war doch sonst nie so anstrengend. Also anstrengend schon, aber so doll? Das kann ich nicht glauben. Und was zum Teufel war da los mit meinem Ohr und mit meiner pubertierenden Haut? Ich hatte sonst nie Probleme mit meinen Ohrringen, wirklich nie. Und meine Haut macht normalerweise und wenn überhaupt nur Alarm, wenn ich mal etwas Süßes in mich hineinstopfe. Und die Migräne, die andauernden Kopfschmerzen? Was war das? Was ist da passiert, das ich nicht mitbekommen habe?
Ich kann mir diese Fragen bisher nicht beantworten. Ich bin heilfroh und überglücklich, wieder zuhause zu sein, und mein Gym ist einfach immer noch das beste ;))
