14/01/2026

Open World: Realität

02.01.26

Wie der “Zufall” will, komme ich gerade aus einer kleinen Sims4-Sucht-Phase und mir fallen eigenartige Dinge auf. Mir ist bewusst, dass die Sims ein Lebenssimulator ist und daher natürlich recht deckungsgleich ist mit dem, was der Durchschnittsmensch so Tag für Tag erlebt. Sims ist ein Spiel und besteht aus einfachen Algorithmen, und wenn man das Spiel kennt, ist es natürlich äußerst berechenbar.

Was ich mich dazu frage, ist: “Wieso dann das echte Leben nicht auch? Sind es nicht auch alles nur Algorithmen, die da ablaufen, und die wir regelmäßig abarbeiten?”

Gestern stand ich vor meinem Abwasch und dachte darüber nach, dass es Dinge im Haushalt gibt, die man täglich machen muss, manche Sachen nur wöchentlich und einige nur nach einem bestimmten Auslöser. Genauso wie in Sims, richtig?

In meinem letzten gespielten Haushalt habe ich einfach mal vier Babys direkt nacheinander gebären lassen und war vollends überfordert. Diese Kinder hatten so viele Bedürfnisse und ich hatte nur zwei Erwachsene, die sich auch noch irgendwie um sich selbst kümmern mussten.

Ist es nicht so, dass der Vergleich der echten Realität mit einem Lebenssimulator wie Sims uns nur zeigt, wie herausgefordert das Management der vielen Aufgaben und persönlichen Bedürfnisse ist und vor welche Schwierigkeiten jeder Einzelne von uns dabei gestellt wird?

Wenn mein Sim nach der Arbeit nach Hause kommt, wird fix was gekocht, Pipi gemacht, geduscht, und dann geht’s ins Bett. Wenn er dann noch vor dem nächsten Arbeitsbeginn ausgeschlafen ist, dann kann er noch etwas Gartenarbeit machen, die Wohnung aufräumen, abwaschen und/oder die Wäsche machen. Und in dem Beispiel ist der Sim noch ohne Kinder. Die reine Vollkatastrophe geht doch erst los, wenn da noch Kinder ins Spiel kommen. Und die eben erwähnten vier Kinder auf einen Schlag, haben die Simfamilie in ein unüberwindbares Chaos gebracht. Sie waren in ihrer Zeit gerechnet tage- und wochenlang nur damit beschäftigt, nicht zu sterben. Das meine ich ernst. Wie oft sie im Stehen eingeschlafen sind.. Ich glaube, das nennt sich im Spiel dann “ohnmächtig werden”. Grauenhaft und super anstrengend zu koordinieren. Und dann die immens hohen Rechnungen, die da bezahlt werden mussten. Dann wurde der Strom abgestellt, überall lag Staub, dreckiges Geschirr und Wäschehaufen. Allen in diesem Haushalt ging es schlecht, alle hatten unerfüllte Bedürfnisse und nichts kam voran.

Siehst du die Parallele zum wirklichen Leben?


14.01.26

Ich habe vor ein paar Tagen mal wieder in meinen Lieblingspodcast reingelauscht und es ging eigentlich um ein ganz anderes Thema, aber der Ausschnitt passte ganz gut in meine Überlegungen. Marc sprach über Menschen, die sich aus dem wahren Leben ausklinken und stattdessen in Videospielen und Ähnlichem versinken. Er meinte, wir entwickeln immer mehr und immer bessere virtuelle Realität, obwohl wir die Geräte nur einmal abzuschalten bräuchten und diese Realität in ganz echt in unserem eigenen Leben erfahren könnten. Mit allen Sinneswahrnehmungen, der größten Open-Play-Welt, die je gesehen wurde, und den zahlreichsten Möglichkeiten überhaupt.

Ich war selbst schon immer ein Fan von diesen Lebenssimulatoren, aber ganz klasse fand ich Restaurantsimulatoren. Diese, wo man immer auf Zack sein musste, um alle Bestellungen zu schaffen. Ich vermute, dass ich sie mochte, weil sie mir Dinge ermöglichten, die in meinem Alter in Wirklichkeit noch nicht realisierbar waren. Ich träumte schon sehr früh von meiner eigenen Wohnung, alles selbst, alleine und auf meine eigene Art und Weise ausführen zu können. Ich träumte davon, endlich meine eigenen Entscheidungen zu treffen, aber auch von so simplen Sachen wie Wäsche waschen, aufhängen, abwaschen, putzen, einkaufen, kochen, saugen, ja sogar davon, selbst meine eigene Toilette zu putzen.

Das alles war mir im Simulator möglich, aber im echten Leben halt noch nicht.

Es wurden auch immer wieder neue Erweiterungspakete veröffentlicht. Am besten erinnere ich mich an das, wo dann auch das Wäschewaschen ermöglicht wurde. Es gab die Auswahl zwischen Waschwanne und Wäscheleine oder sogar Waschmaschine und Trockner. Ich fand es toll. Andauernd lag überall Wäsche herum und ich konnte sie einsammeln, in die Waschmaschine stecken, diese einschalten und warten. Wenn die Wäsche fertig war, konnte ich sie herausnehmen und in den Trockner packen.

Da ich in der Realität tatsächlich aus Platzmangel auch jetzt immer noch keine eigene Waschmaschine habe, erfreue ich mich immer noch am virtuellen Waschen in meinen seltenen Simsnächten.

 

Als ich die Episode des Podcasts hörte, dachte ich nur: “Omg, jaaaa, er hat recht! Wieso machen wir so einen Quatsch? Wieso tun wir die Dinge nicht in unseren ganz echten Leben?” Ist doch krass, oder? Wir haben die ganze Zeit diese riesige Welt zur Verfügung und so viele ferne Horizonte und Möglichkeiten, die wir noch nicht einmal in Erwägung ziehen, zu nutzen oder zu erforschen. Die schöne Natur, die Wälder, Wiesen und Tiere, die uns in Open-World-Spielen gefallen, könnten wir in der Wirklichkeit und mit allen Sinnesorganen erleben.

Ich finde den Gedanken faszinierend! Und doch kann ich ihn bisher nicht ganz durchdringen. Damals liebte ich diese Spiele, weil sie mir Wünsche erfüllten, die die Realität noch nicht zu erfüllen vermochte – das verstehe ich.
Aber nun bin ich doch erwachsen und habe alle Freiheiten der Welt. Wenn ich darüber nachdenke, empfinde ich den Wunsch wieder stärker, diese Dinge im realen Leben zu erfahren – einfach machen, einfach raus, einfach weg von hier, einfach umziehen in eine größere Wohnung, eine Waschmaschine hineinstellen und Wäsche waschen ;))


Schau gerne weiter :)