Die fünf Teile des Liebesbriefes von John Gray:
Liebes 2026,
ich bin wütend, dass du so laut gestartet bist. Ich bin wütend, dass du mir mit der großen Geräuschkulisse meinen Moment der Stille und des Genusses genommen hast. Ich bin frustriert, dass dort so viele Menschen waren und dieses absurd laute Motorrad. Mich nervt der ganze Gedanke daran. Mich nervt das Gefühl von Reue. Mich nervt, dass ich das Gefühl habe, ich habe den Start ins neue Jahr verkackt. Mich nervt, dass ich nicht einfach zuhause geblieben bin. Mich stresst die kollektive Erwartung, dass der Jahreswechsel und 00:00 Uhr zu etwas Besonderem gemacht werden muss.
Ich bin enttäuscht von mir selber, dass ich nicht früher gemerkt habe, dass mich das überreizt, und die Reißleine gezogen habe. Ich bin traurig, dass ich das schöne Feuerwerk zuhause verpasst habe. Ich bin enttäuscht, weil das Feuerwerk vom Parkhaus aus gar nicht so toll aussah. Ich bin traurig, dass mein Plan nicht aufgegangen ist.
Ich bin besorgt, dass ich jetzt einen schlechten Start in das neue Jahr hatte und das Auswirkungen haben könnte. Ich habe Angst, dass mich diese Gedanken und Gefühle noch lange verfolgen. Ich fürchte mich davor, dass sich das erst beim nächsten Silvester auflöst.
Es ist mir peinlich, dass ich dort oben bei den Menschen ganz alleine stand. Es ist mir unangenehm, dass ich den Typen auf dem Motorrad vermutlich sogar kannte. Ich bedaure, dass ich nicht auf meine Empfindungen gehört habe. Ich bedaure, dass ich nicht schon früher abgehauen bin. Ich bereue, dass ich mir das Feuerwerk nicht in einem für mich geschützten Raum oder in einer für mich geschützten Umgebung angeschaut habe. Ich schäme mich, dass ich nicht für mich eingestanden bin und stattdessen so lange versucht habe, meine perfekte Vorstellung zu retten. Ich schäme mich dafür, dass mir das so viel zu bedeuten scheint, obwohl ich selbst gar keine Erwartungen an Silvester hege. Ich schäme mich, dass die kollektive Erwartung so einen starken Einfluss auf mich hatte.
Mir ist klar, dass ich es nicht mehr ändern kann. Mir ist klar, dass es gar nicht so schlimm war, wie es sich anfühlt. Mir ist klar, dass die Gefühle und Gedanken daran verschwimmen und an Relevanz verlieren werden. Ich weiß, dass ich schon bald überhaupt nicht mehr daran denken werde. Ich verzeihe mir selbst, dass ich es zu dem Zeitpunkt nicht besser wusste. Ich verzeihe dir, dass du mich so auf die Probe gestellt hast. Ich liebe, dass ich immer bewusster meine wahren Gefühle wahrnehme. Ich liebe meine Erkenntnisse, die ich aus jeder dieser lehrreichen Situationen ziehe. Ich danke dir für diese grauenhafte Erfahrung. Ich danke dir, dass sie vorbei ist. Ich danke dir, dass meinem bewussten Verstand klar ist, dass die 40 Minuten im Unwohlsein keinerlei Auswirkungen auf mein neues Jahr haben. Ich danke dir für das fantastische Buch, welches ich bis 4 Uhr morgens noch verschlungen habe. Ich liebe, dass ich dieses Jahr endlich ich selbst sein werde.
Deine Elli :))
Ps.: Ich wünsche mir deine Unterstützung. Ich wünsche mir, dass wir Hand in Hand den Weg zu meinem wahren Ich gehen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam alles erreichen, was wir uns schon immer gewünscht haben!
