09/12/2025

Das Dilemma der Begrüßungen

Obwohl mein Gedächtnis wie ein Sieb ist, kann ich mich noch ausgezeichnet daran erinnern, dass ich mich damals in der Schule (so rund um die Unter- oder Mittelstufe) gefragt habe, warum zum Teufel sich die älteren Schüler zur Begrüßung und zur Verabschiedung jedes Mal umarmen….

Als ich dann selbst einer dieser älteren Schüler war, haben auch wir uns sowohl zur Begrüßung als auch zur Verabschiedung umarmt. Jetzt bin ich erwachsen und ich mache es immer noch. Es scheint, als gehöre es sich so, seine Freunde oder gute Bekannte zu umarmen.

Ich habe gerade gegoogelt: “
Warum umarmt man sich zur Begrüßung?
Folgendes spuckt mir die KI aus: “Man umarmt sich zur Begrüßung, weil es ein tief verwurzelter nonverbaler Ausdruck von Vertrauen, Zuneigung und Verbundenheit ist, der Stress reduziert und Glückshormone (wie Oxytocin und Dopamin) freisetzt, das Immunsystem stärkt und ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit vermittelt […]
Grundsätzlich nicht verkehrt, oder?

Was ich mich allerdings frage, ist: “Wie ist das passiert?”
Wie kann es sein, dass ich mir damals denke: “Was zur Hölle machen die da? Warum umarmen die sich ständig?” Und ein paar Jahre später mache ich genau das Gleiche! Nur, weil die anderen das auch machen? Oder habe ich irgendwann entschieden, dass es mir wichtig ist?

Jetzt, da ich erwachsen bin, denke ich mir: “Ich brauche das nicht!” Ich muss nicht ständig angefasst werden. Ich möchte gar nicht jeden umarmen. Und ich meine zu spüren, dass einige Menschen selbst auch gar nicht umarmt werden wollen. Bei jeder halbherzigen Umarmung denke ich mir: “Wofür haben wir das jetzt gemacht?” Wir fühlen uns beide unwohl dabei, aber machen es trotzdem, weil wir denken, dass es sich so gehört oder der jeweils andere es von uns erwartet?

Ja, da kommt mir die nächste Frage: “warum mache ich das, wenn ich es doch gar nicht mag, geschweige denn verstehe?” Ich glaube, ich mach’s, weil ich mich gar nicht trauen würde, jemandem meine Umarmung zu verweigern, der es gewohnt ist, dies zu tun. Ich fände es unhöflich, Freunden von Freunden die Hand zu reichen, wenn sie zur Umarmung ansetzen. 

Meine beste Freundin und ich umarmen uns selten. Wir wohnen im selben Haus, und wenn wir uns jedes Mal umarmen würden, wenn wir uns über den Weg laufen, könnten wir schon gleich den ganzen Tag eng umschlungen auf dem Sofa liegen. Wir haben irgendwie nie mit diesem Ritual begonnen, und jetzt empfinde ich es als eher komisch, wenn einer von uns Anstalten macht, den anderen zu umarmen.

Kennt ihr das, wenn ihr jemanden auf der Straße, im Supermarkt oder sonst wo trefft, den ihr kennt, und zur Begrüßung umarmt, so ganz im Sinne von “Ach Mensch du auch hier”? Dann folgt ein “Du, ich muss dringend weiter” und dann kommt auch schon wieder die Verabschiedungs-Umarmung. Das ist doch ein einziger Armsalat. Ich finde das ähnlich peinlich, wie nach dem “Bye” in die gleiche Richtung zu latschen.

Man könnte meinen, ich stehe einfach nicht auf Körperkontakt. ABER das würde ich so nicht sagen. Ich schätze ihn, brauche ihn aber nicht von jedem Freund oder guten Bekannten und schon gar nicht von Fremden, es sei denn, der Funke ist direkt übergesprungen oder sie können wirklich toll umarmen.
Also iiiiiich kann natürlich fantastisch umarmen, fest und liebevoll. Und ich liebe es, Freunde zu umarmen, die ich lange nicht gesehen habe, und ihnen mit der ersten Umarmung zeigen kann, wie sehr ich sie vermisst habe. Auch freue ich mich, wenn ich das Gleiche zu spüren bekomme, ist doch klar! Außerdem mag ich kontextfreie Umarmungen. Diese, die aus einem Gefühl heraus entstehen und nicht aus Verpflichtungen oder Ritualen! 

Belassen wir es für heute dabei!

Ps.: Vielleicht versuche ich es ja einfach mal: Menschen voller Überzeugung die Hand reichen oder ganz offen kommunizieren, dass ich jetzt keine Umarmung möchte.. ; )

 


Schau gerne weiter :)